Einführung in die Lehre der Weißen Bruderschaft
Petar Danov (Петър Дънов), oft der Meister genannt, trägt den heiligen Namen Beinsa Douno. Er nennt sein Wort Die Neue Lehre. Diese Bezeichnung ist ganz und gar nicht zufällig gewählt. Das Neue, die ewige Erneuerung als universeller Weg, die vernünftige Entwicklung, Freiheit, Wachstum und Harmonie, sind Schlüsselthemen in seinem Wort. Es ist schwierig, wenn auch nicht unmöglich, diese in ihrem Wesen dynamische Lehre holistisch zu erklären. Die Schwierigkeit erfolgt daraus, dass es nötig ist, Analogien zu benutzen; Analogien setzen aber Erfahrung voraus. Denn wie kann die Welt einem Küken, das noch nicht geschlüpft ist oder dem Kind, das noch nicht geboren ist, erklärt werden? Wahrscheinlich ist dies nicht mit Worten, sondern nur durch den Zauber der Musik möglich, da sie die tiefsten Stellen der menschlichen Seele berührt und ihre versteckten Schätze aus der Ewigkeit offenbart. Eine andere Schwierigkeit erfolgt jedoch aus den verschiedenen Bezugsformen zur neuen Lehre: Wer sie zum ersten Mal kennenlernt, hat einen grundsätzlich anderen Bezug zu ihr als jener, der sie bereits erfahren und als seine lebensnotwendige geistige Nahrung angenommen hat. Dem einen erscheinen einige Aspekte von großer Bedeutung zu sein, dem anderen aber nebensächlich oder umgekehrt. Dies ist ein gesetzmäßiges Resultat der laufenden Transformationen.
Eine der wesentlichen Charakteristika des Wortes der Neuen Lehre ist ihr hohes Abstraktionsniveau. Während der Meister über etwas Konkretes spricht, thematisiert er dadurch vielmehr eine gegebene allgemeine Gesetzmäßigkeit oder ein Prinzip. Die Wahrheit wird nicht als etwas Statisches verstanden, sie ist vielmehr dynamisch und im Prozess begriffen. Deshalb wird sie nicht als eine bestimmte Schlussfolgerung oder als ein endgültiges Resultat dargelegt, wie dies meistens in den modernen Wissenschaften geschieht. Die Liebhaber von fertigen Rezepten und versteckten Erkenntnissen, diejenigen, die ungeduldig nach leichten Wegen und Reichtümern suchen werden, werden mit Sicherheit enttäuscht bleiben. Die Neue Lehre hält für uns nichts von vornherein bereit, sie sagt nichts Direktes und Endgültiges. Der Schüler, der diesen Weg eingeschlagen hat, ist nicht in Eile. Er geht den Weg der Transformation, einen Weg, auf dem der Mensch seine Seele allmählich zum Leben erweckt, die sich ähnlich der Kirschenblüte im Frühling öffnet. Für jeden, der sie von außen neugierig und unentschlossen betrachtet, wird die Neue Lehre leider unbegreiflich bleiben. Die Vorträge, in denen die Neue Lehre dargelegt wurde, wurden im Laufe von dreißig Jahren (1914-1944) gehalten; der wesentliche Zyklus von ihnen entstand in einem Zeitraum von 22 Jahren (1922-1944); Es handelt sich um mehr als 3500 Vorträge. Um diese Vorträge vollkommen zu verarbeiten und zu verinnerlichen, reichen 44 Jahre kaum aus. Weil wir allerdings nicht nur auf diesem einfachen Niveau, dass die Lehre auf den ersten Blick als etwas „Neues und Gutes“ erscheint, verharren wollen, werden wir anschließend auf einige ihrer Grundelemente hinweisen, indem wir die oben angeführten spezifischen Besonderheiten des Sachverhalts berücksichtigen.
Das Ziel der Neuen Lehre ist mit den Zielen jeglicher Spiritualität vergleichbar: Das Erreichen der Vollkommenheit des Menschen, als Individuum und als Gemeinschaft. Die Vollkommenheit ist hier nicht vermittels eines bestimmten äußeren Musters vorgegeben. Selbst der Meister hat oft seine Schüler getadelt, wenn sie ihn nachahmen wollten. Sie ist hier vielmehr das Resultat einer göttlichen Äußerung, da Gott in jedem Menschen lebt und sich potenziell – unter bestimmten Bedingungen – durch jeden von uns in einer bestimmten Weise äußern kann. Eines der Leitmotive im Wort ist: „Begrenzt das Göttliche nicht!“ Also ist Vollkommenheit die Folge der erreichten Freiheit, der absoluten Reinheit, die es dem Menschen möglich macht, seinen göttlichen Ursprung, der in den Tiefen seiner Seele schläft, zu stärken.
Zum objektiven Kern der Neuen Lehre gehören die drei universellen Prinzipien: Liebe, Weisheit und Wahrheit, die sich im Menschen subjektiv in Form von Gefühl, Verstand und Willen äußern. Sie sind deshalb Prinzipien, weil es sich um universelle Kräfte handelt, die in das Gewebe eingewoben sind und das gesamte existierende materielle und geistige Universum errichten. Die Idee der menschlichen Evolution oder der Evolution des menschlichen Geistes geht aus der Idee einer lebendigen und vernünftigen Natur hervor, die die ganze sichtbare und unsichtbare Welt umschließt; sie gebiert den menschlichen Geist, ähnlich wie die Mutter. Der Mensch ist berufen, im Einklang mit den natürlichen Kräften zu leben. Er ist nicht die Krone der Schöpfung, sondern ein wichtiges und untrennbares Element von ihr. Er hat in seiner gegenwärtigen Form jedoch einen langen Entwicklungs- und Evolutionsweg vor sich, bis er alle seine Anlagen entfaltet. Alle Lebewesen sind Kinder der lebendigen, vernünftigen Natur. Daher sind sie ebenso vernünftig, nah und verwandt – sie sind Brüder im Licht der universellen Evolution. Unabhängig von der aktuellen Entwicklungsstufe steht jedem Wesen eine große Zukunft bevor – ungeachtet dessen, ob es der menschlichen, tierischen, pflanzlichen oder der Welt der Mineralen angehört. Der Begriff „Mensch“ im Kontext der lebendigen, vernünftigen Natur ist ein weit gefasster Begriff. Er schließt in sich nicht nur die uns bekannte menschliche Form und Kultur ein, sondern auch alle evoluierenden vernünftigen menschlichen Formen, alle Vernunftwesen im unermesslichen Universum. Es ist der Sammelbegriff des Geistigen Menschen, der auf einer geistigen Ebene die allgemeine Entwicklung aller Vernunftwesen in individueller Hinsicht in sich vereinigt.
Im subjektiven Bereich der Moralität ist die Neue Lehre der Träger eines frischen Hauchs. Der Mensch ist berufen sich selbst zu erkennen und sich zu lieben – sowohl seine Kraft und Würde, als auch seine Gebrechen, Krankheiten und Fehler. Solange er sich davor fürchtet und sie verabscheut, verbindet er sich zwangsläufig mit ihnen. Nachdem er angefangen hat, sie zu lieben, wird er sie verstehen und transformieren. Das Leiden ist eine Aufgabe, die richtig gelöst werden soll. Dem viktorianischen moralisierenden Geist fremd, bringt die Neue Lehre ein natürliches Maß und nüchternen Bezug zum Leben. Sie überwindet den Dualismus der weit verbreiteten Vorstellung von Gut und Böse. Bei ihr dient das Böse dem Guten und ist Teil des einheitlichen Weltorganismus. Das Böse funktioniert wie eine Reinigungsanlage des gesamten Lebens – solange die Unreinheit existiert, wird das Böse um des Ganzen willen benötigt. Wird es einfach nur mechanisch verworfen, dann kann der Zustand nicht verbessert werden. Dies kann nur durch einen vernünftigen und weisen Bezug zum Bösen erreicht werden. Die Wahrheit – das Ziel alles Lebendigen – ist in der Lage, alle Widersprüche aufzuheben. Wenn irgendetwas ausdrücklich in der Lehre nicht erlaubt ist, dann sind das Lüge und Täuschung. Die fünf Universalprinzipien: Liebe, Weisheit, Wahrheit, Gerechtigkeit und Tugend, sind Stufen der Entwicklungsleiter der menschlichen Seele. Die Armut und der Reichtum sind nur Bedingungen für die Entwicklung der menschlichen Seele, die gleich gut sind. Der wahre Reichtum ist jedoch in uns, in unserer Seele, er ist nicht außerhalb von ihr. Und sehen wir nicht tatsächlich heute mehr denn je, wie wenig wir allein mit unserer beruflichen Karriere befriedigt sind? Fühlen wir nicht die Sinnlosigkeit eines Lebens, in dem wir zu achtzig Prozent unserer Zeit an den Arbeitsplatz gebunden sind?
Im Bereich der Ästhetik vertritt die Neue Lehre eine entschiedene Position. Die Schönheit ist ein Ausdruck der göttlichen Harmonie, eine Verbindung mit der göttlichen Welt. Die Kunst ist überhaupt ein Ausdruck der Impulse, die von den erhabenen und lichtvollen Wesen ausgehen. Das Schöne ist für das Leben unentbehrlich, da es die Seele nährt, wodurch sie sich richtig entwickeln kann. Im höchsten Maße kann dem menschlichen Leben durch die verschiedenen Künste ein Sinn verliehen werden. Eigenes Schaffen, das eng mit der Welt des Schönen verbunden ist, ist göttlicher Segen. Es toleriert nicht die Versenkung in die Arbeitswelt eines von der Arbeit besessenen Menschen der modernen Zeit. Es bezweckt die Befreiung der Bewusstseinskräfte für schöpferische Tätigkeiten.
Още статии по темата:
Български
English
Русский
Francais
Deutsch
Polski
Espanol